Zahnmobil - Hilfe mit Biss! – Fast ein Jubiläum!

v.l.: Carsten Krüger, Angela McLeod, Dr. Dirk Ostermann, Rainer Müller-Brandes
18.03.2020

Von der Idee ...

Vor 10 Jahren entstand die Idee, in Hannover ein mobiles zahnmedizinisches Angebot für Menschen zu schaffen, die gemeinhin nicht den Weg in eine zahnärztliche Praxis gehen, sei es, weil sie für sich andere Prioritäten sehen, die das (Über)Leben auf der Straße an sie stellt, oder sei es aus Scham, sich dort nicht willkommen zu fühlen oder einfach aus der Angst heraus, die jede*r mehr oder minder empfindet, der/die vor einer Behandlung steht.

... zur Umsetzung.

Etwa zwei Jahre intensiver Vorbereitung bedurfte es, maßgeblich vorangetrieben durch das Ehepaar Ingeburg und Werner Mannherz, bis das Geld eingeworben und das Fahrzeug beschafft und umgebaut war, die Ehrenamtlichen bereit standen und die Zahnarzthelferin eingestellt war. Seit acht Jahren ist das Zahnmobil nun auf den Straßen Hannovers unterwegs, um an verschiedenen und wechselnden Plätzen Behandlungen durchzuführen. Inzwischen stellen sich aber auch Fragen an die Zukunft: Der finanzielle Aufwand ist erheblich (Monat für Monat 600 Euro) und ein Fahrzeugwechsel steht an, das Alte ist in die Jahre gekommen.

Anlässe genug für einen gemeinsamen Rück- und Ausblick des Fördervereins Zahnmobil und des Diakonisches Werkes, die am 11. März 2020 gemeinsam zum Pressegespräch in den Bödeker-Saal der Marktkirche luden.

 

"Wir nehmen sie wie sie sind..."

Dr. Dirk Ostermann ist seit 2016 Leiter der „Institutsambulanz“ Zahnmobil, ohne die Zulassung wäre ein Einsatz gar nicht möglich. Von Anfang ist er ehrenamtlich dabei und bis heute überzeugt von dem Angebot! „Wir fahren hin zu den Menschen, und das wird angenommen“, betont er. Langwierigere Behandlungen seien eher nicht möglich, aber eine Basisversorgung, wie Wurzelbehandlung, Extraktionen etc. würden durchgeführt, im Hintergrund Praxen, die ehrenamtlich helfen, wenn einmal eine kieferchirurgische Behandlung erforderlich sei.

Er betont den hohen Anspruch an die Hygienekette, was auch bedeutet, dass die Instrumente nach jedem Einsatz den Anforderungen gemäß gereinigt und aufbereitet würden. Dies erfolgt in den Räumen, die sich im Gebäude der Zahnärztekammer befinden. „Das Mobil ist ein Dreipersonenbetrieb, Zahnarzt, Helferin und Fahrer, der auch für die Organisation, Anmeldung etc zuständig ist. – Aber im Zentrum steht Angela McLeod, die alles weiß und alle kennt.“

Angela McLeod, ist vor 8 Jahren über eine Anzeige der Zahnärztekammer als Zahnmedizinische Fachangestellte zum Projekt gekommen, ist seitdem dabei und richtet auch ihren Urlaub nach dem Einsatzplan aus: Der findet im Winter statt, wenn Pause gemacht wird. „Wir nehmen die Patienten so wie sie kommen“ – betont sie und man nimmt ihr ab, dass sie zu vielen Patienten über die Jahre ein sehr gutes Verhältnis hat. „Sie bekommen bei uns, was sie sonst nicht erhalten“, damit meint sie nicht nur die Zahnbehandlung. Kein Wunder, dass sie auch mal bei Spaziergängen in der Stadt in den Arm genommen wird.

"Wir müssen für diese Menschen da sein!"

Eigner des Zahnmobils ist das Diakonische Werk Hannover. Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes weist auf zwei Seiten der Medaille hin:

580 Behandlungen im Jahr finden statt, die sonst nicht stattgefunden hätten und vielen Menschen in schwierigen Lebenslagen helfen. Die andere Seite ist die Finanzierung: Jedes Jahr belaufen sich die Kosten  auf ca. 100.000 Euro. Die Region und AOK  unterstützen, aber es bleibt ein Finanzierungsbedarf von 60.000 Euro pro Jahr – und ein neues Fahrzeug mit Ausstattung wird noch einmal viel Geld kosten.

„Wir fragen nicht: Bist Du wohnungslos, aber die Quote der Patienten ohne Wohnung ist sehr hoch - für diese Menschen – ob mit oder ohne Krankenversicherung - müssen wir weiter da sein.“ So der Appell und Anspruch an die Zukunft von Rainer Müller-Brandes.

Der Förderverein wurde 2016 gegründet, um die Ehrenamtlichen zusammenzufassen und die Spenden- und Finanzierungsbasis für das Projekt zu erhöhen. Carsten Krüger ist seit 8 Jahren dabei, anfangs als ehrenamtlicher Fahrer, und seit 2 Jahren ist er Vorsitzender des Fördervereins. Er hat sich das Ziel gesetzt, den Bekanntheitsgrad des Zahnmobils zu erhöhen, über die eigene Webseite, aber auch über persönliche Gespräche, bei denen er eine gute Resonanz erfährt. Aber manche reagieren auch erstaunt: „So etwas gibt es in Hannover?“ Der Bekanntsgrad müsse deutlich erhöht werden.

Unterstützung als Imagefaktor für die Zahnärzt_innen

Einer der Zahnärzte, die von Anfang an dabei sind, ist Karl-Heinz Maekeler, Mitglied im Vorstand des Fördervereins, der nicht nur das technisch hohe Niveau des Zahnmobiles hervorhebt sondern auch an die Berufskolleg*innen in Hannover und Umgebung appelliert, das Zahnmobil z. B. durch ihre Fördermitgliedschaft zu unterstützen. Und er hebt hervor: „Das sollte ein Imagefaktor für die Zahnärzte in Hannover sein!“.

Allen Beteiligten dieser Runde ist das Zahnmobil – Hilfe mit Biss! eine Herzensangelegenheit geworden! Es braucht aber noch viel gemeinsamen Einsatz, um die Perspektive des Zahnmobils zu sichern!

Damit es in zwei Jahre heißt: Das Zahnmobil feiert sein 10-jähriges Jubiläum und ist weiter präsent für die Menschen, die auf das Angebot dringend angewiesen sind!

 

Weitere Informationen über das Zahnmobil Hannover auf der eigenen Webseite...

Weitere Fotos

v.l.: Carsten Krüger, Angela McLeod, Dr. Dirk Ostermann, Rainer Müller-Brandes
v.l.: Karl-Heinz Maekeler, Angela McLeod, Carsten Krüger, Dr. Dirk Ostermann
Pressegespräch im Bödekersaal der Marktkirche
Pressegespräch im Bödekersaal der Marktkirche
Karl-Heinz Maekeler erläutert die moderne Technik des Zahnmobils
Arnim Nord, Fahrer des Zahnmobils
Angela McLeod, Zahnmedizinische Fachangestellte und Seele des Zahnmobils
Rainer Müller-Brandes im Interview
In den Stadtteilen

befinden sich Einrichtungen der Diakonie

Menschen in Stadt(-teil) und Gemeinde