Wir bitten zu Tisch - Erfahrungen mit multikulturellem Ernährungsprojekt

21.09.2018

Die Abteilung ProMigration- Beratungsstelle für Migranten Innen des Diakonischen Werkes Hannover gGmbH hat erstmalig ein Integrationsprojekt im kulinarischem Bereich durchgeführt. An vier folgenden Montagen, vom 13.08. - 3.09.2018, haben sich Migrant_innen mit ihren Kindern zum Ernährungskurs unter fachlicher Leitung einer Ernährungsberaterin der FHS und pädagogischer Betreuung der Migrationsberatungsstelle von 15 bis 19 Uhr getroffen.

Das Wohngebiet Spargelacker hat einen hohen Migrant_innenanteil. Hier leben viele verschieden Nationen unterschiedlicher Kulturen.

Die Migrationsberatungsstelle hat einen Ernährungskurs für Migrant_innen und ihre Kinder ins Leben gerufen, um das Gesundheitsbewusstsein der Teilnehmenden zu fördern, den Austausch zwischen den Kulturen, Werten und Normen zu ermöglichen und Integrationsprozesse zu unterstützen.

Fast Food ist längst selbstverständlicher Bestandteil unserer Ernährung geworden. Viele Produkte enthalten überflüssige Geschmacksverstärker, künstliche Farb-, Konservierungs- und Aromastoffe, Unmengen von Zucker und Fett. Getränke, die früher als Durstlöscher dienten, haben nun die Aufgabe, unseren Leib immer mehr zu füllen.

Hiervon sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Migrantenfamilien nicht ausgenommen, im Gegenteil: Für viele ist dieses umfassende Angebot ungewohnt und sie sind über die Bedeutung und Gefahren von Inhaltsstoffen nicht informiert.

Die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen nimmt stetig zu. Die falsche Zubereitung der Lebensmittel, Verwendung von überflüssigen und minderwertigen Fetten in Speisen, Verzehr „ungünstiger“ Kohlenhydrate in großen Mengen statt „guter“ Kohlenhydrate usw. verstärkt das Problem.

Hier sind wir präventiv vorgegangen:

  • Es wurden natürliche, saisonale Lebensmittel bewusst ausgewählt und zu leckeren Gerichten verarbeitet und anschließend gemeinsam verzehrt
  • Die Teilnehmenden haben Wissenswertes über Lebensmittel und den Einfluss auf die Gesundheit erfahren
  • Sie haben ihre kulturell geprägten Erfahrungen eingebracht, tauschten sich mit anderen darüber aus und kamen so auch mit den Bewohnerinnen anderer Kulturen in Kontakt
  • Die Auseinandersetzung mit den Bestandteilen des Essens und die Unterscheidung von gesundheitsfördernden und –gefährdenden Lebensmitteln ermöglichte einen reflektierten Umgang mit Gewohnheiten, aber auch mit den verführerischen Angeboten deutscher Supermärkte
  • Die Beteiligten haben im Hinblick auf ihre Versorgungsrolle in der Familie durch ihre sachkundlichen Kenntnisse an Selbstbewusstsein gewonnen
  • Die Wertschätzung von Essen und Lebensmitteln wurde erhöht

Um Erfahrungen und Kenntnisse vorzuhalten und Integrationsprozesse zu fördern, wird in der Nachbereitung des Kurses gemeinsam ein Jahres-Kalender mit Informationen, Rezepten und Tipps rund um das Thema Ernährung hergestellt.

Das Angebot wurde in den Räumlichkeiten des Diakonischen Werkes in Bemerode, Hinter dem Holze 14 in 30539 Hannover, durchgeführt. Der große Gruppenraum und die gut ausgerichtete Küche erfüllten alle Voraussetzungen für einen gelungenen Projektverlauf.  

Dank der finanziellen Unterstützung aus der Professor-Horst-Siebert-Stiftung war die Durchführung des Kurses möglich. Wir bedanken uns dafür sehr.

Text: Barbara Figurska

Fotos: Christian Seibert

 

 

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