Übergabe der zahnärztlichen Leitung des Zahnmobils an Dr. Dirk Ostermann

v.l.: Rainer Müller-Brandes (Diakoniepastor), Werner Mannherz, Dr. Ingeburg Mannherz (Initiatorinnen), Dr. Dirk Ostermann (Neuer Zahnärztlicher Leiter des Zahnmobils)
21.08.2017

Hannover (epd). Die Initiatoren des hannoverschen "Zahnmobils - Hilfe mit Biss" für Wohnungslose, Ingeburg und Werner Mannherz, übergeben die ehrenamtliche Leitung des diakonischen Hilfsprojektes an den Zahnarzt Dr. Dirk Ostermann. Seit April 2012 behandelte die pensionierte Zahnärztin Ingeburg Mannherz im Wechsel mit rund 30 aktiven Kollegen ehrenamtlich mehr als 2400 Wohnungslose in Stadt und Region Hannover, sagte sie am Freitag. Zusammen mit ihrem Mann, einem Ingenieur, hatte Mannherz die Idee zum Zahnmobil zunächst entwickelt und das Projekt dann vor fünf Jahren mit Hilfe des Diakonischen Werkes Hannover umgesetzt.

Mit einem zur mobilen Zahnarztpraxis umgebauten Rettungswagen steuert die Initiative mehrmals in der Woche feste Standplätze an. Unversicherte Patienten aus mehr als 25 Ländern und zumeist Wohnungslose seien in den vergangenen fünf Jahren behandelt worden. An Ablauf und eingesetzter Technik solle sich nichts ändern, erläuterte Ostermann. Beides sei bereits auf hohem Niveau. "Wir suchen aber noch mehr junge Kollegen, die sich beteiligen wollen."

Dr. Henner Bunke, Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen, lobte das Zahnmobil als ein außergewöhnliches Projekt und einzigartig in Deutschland. Es müsse weitergeführt werden, denn "es gibt eben zahlreiche Unversicherte, die es in Deutschland eigentlich nicht geben dürfte". Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes sagte, die Zahl derer, die nicht krankenversichert sind, steige sogar an. Ausreichend medizinische Hilfe für alle zu bieten werde immer schwieriger. Mehr als 3000 Wohnungslose gebe es schätzungsweise inzwischen in Hannover.

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# epd-Service

Pressestatement von Rainer Müller-Brandes zum 5-jährigen Bestehen des Zahnmobils:

 

Wir schätzen 3000 Wohnungslose in der Stadt, durch Zuwanderung aus Osteuropa werden es eher mehr. Unser Hilfesystem kommt an Grenzen.

An Grenzen kommt auch die medizinische Versorgung. Wir versuchen mit Unterstützung der Region und aus Spenden zu helfen. Mit Krankenwohnungen, medizinischer Versorgung, Versorgung im Kontaktladen Mecki. Aber es bleibt schwierig.  

Schwierig ist auch die zahnmedizinische Versorgung für diese Menschen. Die Schwelle, eine Zahnarztpraxis zu betreten, ist oft hoch.

Hinzukommt, dass die Zahl derer, die nicht krankenversichert sind, auch beim Zahnmobil erheblich ist und steigt.  Inzwwischen sind es über die Hälfte, etwa 60 %. Das ist ein großes Problem. Wo sollen diese Menschen hin?

Wer ist für sie da?

2400 Patientinnen und Patienten sind seit Bestehen des Zahnmobils behandelt worden, eine stattliche Zahl, sie kommen aus 26 Ländern.

Alles Menschen, die am Rande stehen.

Für die wir da sein können, weil drei Dinge hier auf wunderbare Weise zusammengekommen sind:

Zahnärzte, die bereit sind, ehrenamtlich zu arbeiten. Jemand, wie Frau Dr. Ingeburg Mannherz, die lange Jahre die zahnärztlich vorgeschriebene Verantwortung übernommen hat. Die wird jetzt dankenswerter Weise von Dr. Dirk Ostermann übernommen.

Fahrerinnen und Fahrer, Zahnarzthelferin, und jemand der organisieren kann, wie Werner Mannherz.

Das Zweite:

Finanziers: Stiftungen, Region, Dentalfirmen, Banken, Zahnärzteschaft mit ihren Verbänden,  die Region, am Anfang waren 80.000 Euro Startkapital aufzubringen.

Das Dritte: Unser Diakonisches Werk als Träger des Zahnmobils und Anbieter von Tagestreffs und Beratungsstellen - zu uns kommen jeden Tag weit über 100 Menschen - da ist es einfach gut, wenn sich das Zahnmobil vor die Tür stellen kann. 

Kurz, hier sind die richtigen Partner zusammengekommen.

 

Fotos: dwh_add

 

Weitere Fotos

Angela McLeod, engagierte und einfühlsame Zahnarzthelferin auf dem Zahmobil seit 5 Jahren, Carsten Krüger (r., Vorstand des Fördervereins), Herr Rühmann (l., Vorstand des Fördervereins)
Dr. Ingeburg Mannherz übergibt symbolisch die Zahnärztliche Leitung an Dr. Dirk Ostermann. Links: Moderatorin Insa Becker-Wook (Pressereferentin des Ev.-luth. Stadtkirchenverbandes)
Beifall der Besucher der Feierstunde für Zahnarzthelferin Angela McLeod
Pressekonferenz (Moderation Insa Becker-Wook) am Zahnmobil vor der Marktkirche
Sozialdezernent Erwin Jordan (Region Hannover, Mitte) betont die Wichtigkeit des Zahnmobils und sagt weitere Förderung zu.
Dr. Henner Bunke, Präsident der Zahnärztekammer Nds., hebt die Einmaligkeit des Zahnmobils in der Bundesrepublik hervor und sagt weitere Unterstützung zu.
Pressekonferenz vor dem Zahnmobil an der Marktkirche
Ehepaar Mannherz und Dr. Dirk Ostermann beantworten Fragen der Moderatorin zur Bedeutung und Erfahrungen mit dem Zahnmobil
In den Stadtteilen

befinden sich Einrichtungen der Diakonie

Menschen in Stadt(-teil) und Gemeinde