Seit 25 Jahren macht SINA Frauen stark! Jubiläumsfeier mit viel Lob - und kritischen Anfragen an die Politik!

Blumen für alle Mitarbeiter_innen, überreicht durch Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes
11.05.2017

Erfolgsgeschichte Sina

Diakonische Einrichtung hilft seit 25 Jahren gezielt jungen Frauen auf ihrem Weg zum Beruf

„Sina“ heißt Soziale Integration Neue Arbeit – seit mittlerweile 25 Jahren hilft das diakonische Projekt gezielt jungen Frauen, ihren Weg in den Arbeitsmarkt zu finden. Nun wurde in Hannover gefeiert. Nicht nur das Jubiläum, sondern die Erfolggeschichte des Projekts generell. Doch die Finanzierung muss immer wieder neu gesichert werden.

Von Stefan Korinth
Hannover. „Über 1000 Frauen haben Sina durchlaufen“, strahlt Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes bei seinem Grußwort. „170 Frauen haben hier sogar ihre Berufsausbildung gemacht.“ Sina sei ein absolutes Erfolgsprojekt sind sich alle Redner bei der Jubiläumsfeier in den hannoverschen Räumlichkeiten des Projekts einig.
Eine Gruppe von pädagogisch, psychologisch und berufspraktisch ausgebildeten Kräften hilft jungen Frauen hier ihre berufliche Lebensplanung in die Hand zu nehmen. Hier gibt es Lernbüros für verschiedene Berufsfelder, eine Teilzeitausbildung für Frauen mit Kind, Sina hat eine eigene Kita und sendet sogar im Radio. Frauen werden vorangebracht, weil Sina nicht nur gezielte Weiterbildung anbietet, sondern sich auch an ihrer Lebenswelt orientiert, erläutert die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt.
Gerade die Hilfe für alleinerziehende Mütter sei besonders wichtig, denn jede zweite Alleinerziehende in Niedersachsen lebt mit ihren Kindern in Armut. „Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist bis heute Sache der Frauen“, ergänzt Bürgermeisterin Regine Kramarek. Sina helfe Frauen aus der Isolation.
Doch auch wenn sie den Arbeitsmarkt erreichen, werden Frauen oft ungerecht behandelt, sagte der Berufspädagoge Günter Ratschinski. Sie hätten zwar die durchschnittlich bessere Schulbildung, würden aber schlechter bezahlt. Dies liege auch daran, dass Mädchen und junge Frauen sich weiterhin mehrheitlich für typische Frauenberufe entscheiden. „Das Image von Berufen als Frauen- oder Männerberufe ist erstaunlich erklärungsstark“, sagte er. Und diese seien oft schlechter bezahlt als vergleichbare „Männerberufe“. Die Lohnlücke betrage rund 20 Prozent. Nach den kaufmännischen Ausbildungen sei bei den Mädchen weiterhin Friseurin die Nummer eins unter den Ausbildungsberufen, sagte der pensionierte Professor der Leibniz Universität Hannover.
In den vergangenen Jahren hat es große Aufmerksamkeit für Initiativen gegeben, die Mädchen und Frauen in klassische „Männerberufe“ und mathematisch-technische Arbeitsfelder etablieren wollten. Diese Initiativen seien jedoch nur erfolgreich gewesen, so lange sie von außen massiv unterstützt wurden, unterstrich Ratschinski. Je höher die mathematischen Anforderungen an eine Arbeit seien, desto seltener fühlten sich Mädchen und Frauen angesprochen. Auch die Gründung einer eigenen Firma und das „Karrieremachen“ seien Studien zufolge für Mädchen und junge Frauen weit weniger interessant als für männliche Altersgenossen.
Trotzdem hänge die geschlechtliche Festlegung eines Berufsbildes nicht mit biologischen, sondern vor allem mit gesellschaftlichen Realitäten zusammen, erläuterte der Pädagoge. Der Polizistenberuf etwa habe hierzulande lange als Männerarbeit gegolten. Mittlerweile sei er jedoch bei Mädchen als Berufsziel genauso beliebt wie bei Jungen. Dies liege an der großen Präsenz von Polizistinnen im Straßenbild oder im Fernsehen.
Auch Sina habe ihr Angebot im Verlauf der Jahre modernisiert, erklärte Erwin Jordan, Dezernent für Soziale Infrastruktur der Region Hannover. So könnten junge Frauen sich hier auch im Veranstaltungsmanagement oder im Grafik-Design weiterbilden. Viele soziale Initiativen seien in den letzten 25 Jahren „unter die Räder gekommen“, so Jordan. Wegen seiner hohen Qualität sei Sina aber noch da. Die Finanzierung ist trotzdem gefährdet. „Wir wissen nicht, wie es ab 2020 weitergeht“, so Diakoniepastor Müller-Brandes. Sina sei eine alltägliche Mahnung, ergänzte Jordan. „Wenn dieses Erfolgsprojekt nicht bestehen kann, dann ist unser System falsch.“

Originalbeitrag aus Evangelische Zeitung für Niedersachsen, Nr. 20/2017, Seite 1

 

Hier ein Bericht von epd (Evangelischer Pressedienst):

Hannover (epd). Mädchen und junge Frauen entscheiden sich nach Beobachtungen von Experten weiterhin mehrheitlich für typische Frauenberufe. "Das Image von Berufen als Frauen- oder Männerberufe ist erstaunlich erklärungsstark", sagte der Berufspädagoge Günter Ratschinski am Donnerstag in Hannover bei einer Feier zum 25-jährigen Bestehen des diakonischen Projektes "Sina" zur Eingliederung junger Frauen in den Arbeitsmarkt. Das Geschlecht entscheide als Einzelfaktor noch stärker über die Berufswahl als das Prestige eines Berufs oder als das persönliche Interesse an den Arbeitsinhalten. Nach den kaufmännischen Ausbildungen sei bei den Mädchen weiterhin Friseurin die Nummer eins unter den Ausbildungsberufen, sagte der emeritierte Professor der Leibniz Universität Hannover.

Es habe in den vergangenen Jahren große Aufmerksamkeit für Initiativen gegeben, die Mädchen und Frauen in klassische "Männerberufe" und mathematisch-technische Arbeitsfelder etablieren wollten. Diese Initiativen seien jedoch nur erfolgreich gewesen, so lange sie von außen massiv unterstützt wurden, unterstrich Ratschinski. Je höher die mathematischen Anforderungen an eine Arbeit seien, desto seltener fühlten sich Mädchen und Frauen angesprochen. "Mathe passt oft nicht zum weiblichen Selbstkonzept." Frauen interessierten sich allgemein mehr für soziale, künstlerische oder helfende Berufe. Auch die Gründung einer eigenen Firma und das "Karrieremachen" seien Studien zufolge für Mädchen und junge Frauen weit weniger interessant als für männliche Altersgenossen.

Trotzdem hänge die geschlechtliche Festlegung eines Berufsbildes nicht mit biologischen, sondern vor allem mit gesellschaftlichen Realitäten zusammen, erläuterte der Pädagoge. Der Polizistenberuf etwa habe hierzulande lange als Männerarbeit gegolten. Mittlerweile sei er jedoch bei Mädchen als Berufsziel genauso beliebt wie bei Jungen. Dies liege an der großen Präsenz von Polizistinnen im Straßenbild oder im Fernsehen. Auch der hierzulande niedrige Anteil von Frauen in Führungspositionen sei nicht geschlechtsspezifisch, sondern eher ein "deutsches Problem". In anderen westlichen Ländern gebe es weitaus mehr Chefinnen als in Deutschland. Die Politik sei verantwortlich, Regelungen für Frauenquoten und eine bessere Bezahlung von "Frauenberufen" aufzustellen.

Von den rund 300 möglichen dualen Ausbildungsberufen in Niedersachsen wählten 75 Prozent der Mädchen gerade einmal 25 Berufe, ergänzte Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD). Dies seien "typische Frauenberufe" wie Friseurin oder Krankenschwester, die oft schlechter bezahlt würden als vergleichbare "Männerberufe". Es gebe weiterhin große Probleme, was die berufliche Gleichstellung von Frauen betreffe, betonte sie. Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern in vergleichbaren Berufen ("Gender Pay Gap") liege bei rund 20 Prozent - zum Nachteil der Frauen.

 

 

 

 

Weitere Fotos

Tanzeinlage zum Auftakt
Andrang im Foyer
Selina bei der beeindruckenden muskalischen Begrüßung
SINA-Leiterin Helia Geller-Fehling begrüßt die Gäste
Cornelia Rundt, Nds. Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichtstellung bei ihrem herzlichen Grußwort
Erwin Jordan, Sozial- und Jugenddezernent der Region Hannover ist begeistert von SINA
Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Hannover, Regine Kramarek, dankt den Begründerinnen von SINA, Hannelore Borchers und Renee Steinhoff
Mitbegründerin von SINA Renee Steinhoff.
Prof. Dr. Günter Ratschinski zu "5 Halbwahrheiten über die Berufswahl von Frauen"
In den Stadtteilen

befinden sich Einrichtungen der Diakonie

Menschen in Stadt(-teil) und Gemeinde