Projekt Kompass gestartet!

Norbert Herschel, Konstanze Beckedorf, Axel von der Ohe, Rainer Müller-Brandes
06.10.2017

Am Freitag, den 6.10.2017 drängten sich diverse Pressevertreter im neu eingerichteten Raum und wurden von Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf, Ordnungs- und Personaldezernent Axel von der Ohe und Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes über Ziel und Ausrichtung des neuen Angebotes informiert.

Konstanze Beckedorf dankte der Diakonie, dass es in recht kurzer Zeit gelungen ist, gemeinsam nicht nur ein Konzept auf die Beine zu stellen, sondern auch fünf Mitarbeiter_innen zu finden, die als Sozialarbeiter_innen den Besucher_innen mit unterschiedlichen Sprachkompetenzen zur Verfügung stehen.

Axel von der Ohe betonte, dass sich das Angebot Kompass in eine Strategie der Stadt zur Stärkung der Sicherheit und Aufrechterhaltung der Ordnung im öffentlichen Leben in Verbindung mit dem sozialen Angebot einfügt.

Der neue Leiter der Zentralen Beratungsstelle, Norbert Herschel, als Träger des Projektes Kompass wies darauf hin, dass die Besucher_innen mit den Angeboten seiner an der Berliner Allee 8 gelegenen Einrichtung vielfältige Möglichkeiten weiterer Hilfestellungen und Vermittlungen erhalten können. Erste Kontaktaufnahmen zu potentiellen Besuchern auf dem Raschplatz hatten bereits eine positive Resonanz.

Hier das Eingangsstatement von Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes:

 

I. Menschen

Fakt ist: Im Rahmen der von allen gewollten EU Freizügigkeit kommen viele Menschen hierher , die sich bestens integrieren. Aber es kommen auch Menschen, die es nicht schaffen, sich zu integrieren.

Ihre Wünsche erfüllen sich nicht, sie kehren nicht zurück, sondern bleiben hier.

Ansprüche an Sozialleistungen haben sie ohne Arbeit erst, wenn sie 5 Jahre hier sind. Das ist seit Anfang des Jahres neu.

Aber bereits seit 3 bis 4 Jahren kommen zunehmend Menschen aus Osteuropa hierhier. Und bleiben.

Hinzu kommen Menschen, die in Deutschland geboren sind und ebenfalls keinen Anschluss an den Arbeitsmarkt bekommen haben.

Menschen, die sich tagsüber in der Innenstadt aufhalten. Weil sie sich mangels eigenem Wohnzimmer hier treffen.

Menschen, bei denen Alkohol und Verelendung sichtbar zu Problem geworden ist.

Das ist die Lage.

II . Was kann man tun?

Möglichkeit 1: Wegsehen. Übersehen. Das gelingt nicht. Es  sind zu viele - und löst auch keine Probleme.

Möglichkeit 2: Wegräumen: Das kann man machen. Es wird nur nichts daran ändern, dass die Menschen hier sind. Sie werden sich, das ist menschlich und unabdingbar, weiterhin treffen und zusammentun. Nur eben nicht hier, sondern 300 m weiter. Auf dem Andreas-Hermes-Platz. Oder am Weißekreuzplatz.

Möglichkeit 3: Wir stecken nicht die Hände ich die Hosentaschen, sondern versuchen etwas. Bieten etwas an.

Die Landeshauptstadt setzt also neben Sicherheit und Sauberkeit auch auf das Soziale. Ich finde es gut, dass das Sozialdezernat und Ordnungsdezernat mit uns  Hand in Hand arbeiten.

III. 2 Säulen hat das, was wir hier ab jetzt tun:

Wir haben neue Kolleginnen und Kollegen, die auf dem Raschplatz aufsuchende Straßensozialarbeit machen. Die die Menschen ansprechen. Sie auf die Angebote hinweisen.

Auch auf diesen Raum, auf dieses Beratungsangebot. Auf den Kompass.

Unsere Hoffnung ist, dass sich Kompass wie der Name Mecki einbürgert. Trinkraum greift zu kurz. Denn  dies will ein geschützter Raum sein, der Menschen etwa bei so einem Wetter wie jetzt einen Schutzraum ermöglicht. Sich zu treffen, sich aufzuhalten.

Aber eben mit integriertem Beratungsangebot. Hier kann man anders ins Gespräch kommen. Hier können Alternativen aufgezeigt werden. Durch die Sozialarbeiter, durch Kollegen, die sich in Sucht-, Schuldner- und Migrationsfragen auskennen – und die ihre Sprache sprechen.

Dass das schwer wird, wissen wir. Es sind Menschen, die zum Teil durch massiven Alkoholmissbrauch gezeichnet sind. Sie auf der Straße liegen zu lassen, kann nicht die Lösung sein.

Bieten wir ihnen einen Schutzraum. Lasst uns nicht wegschauen, sondern lasst es uns zumindest versuchen, gemeinsam mit ihnen, ihrem Leben eine neue Ausrichtung zu geben.

Ich freue mich, dass wir heute den Kompass eröffnen können. 7 Tage die Woche ist er offen.

Die Menschen brauchen ihn, und es spricht für unsere  Stadt, so etwas auszuprobieren.

 

Mehr zum Projekt hier...

Weitere Fotos

Axel von der Ohe, Konstanze Beckedorf, Rainer Müller-Brandes
Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf erläutert die Ziele des Sozialdezernates mit dem Projekt Kompass
Norbert Herschel verweist auf weitere Angebote des Diakonischen Werkes und der ZBS
Norbert Herschel mit Mitarbeiter_innen des Kompass
Plakat
Die Mitarbeiter_innen und Kooperationspartner vor dem Kompass
In den Stadtteilen

befinden sich Einrichtungen der Diakonie

Menschen in Stadt(-teil) und Gemeinde