Obdachlose Menschen in Hotels untergebracht

Dres. Ricarda und Udo Niedergerke (Niedergerke-Stiftung), Dr. Andreas Schubert (Vorstand des Caritasverbandes), Axel Fleischhauer (Selbsthilfe für Wohnungslose e.V.), Gabriele Schuppe (Fachbereichsleiterin der Arbeitswohlfahrt), Rainer Müller-Brandes (Stadtsuperintendent Stadtkirchenverband Hannover) und Maria & Uwe Thomas Carstensen (MUT-Stiftung) (v.l.n.r.). Foto: Severine Bunzel
04.12.2020

Die Corona-Krise hat die schwierige Lebenssituation der obdach- und wohnungslosen Menschen in Hannover verschärft. Eine Privatinitiative von engagierten Bürgern und Bürgerinnen der Stadtgesellschaft konnte gemeinsam mit Partnern der Diakonie, des Caritasverbandes, des Selbsthilfe für Wohnungslose e.V. und der Arbeiterwohlfahrt einen gemeinsamen Lösungsansatz entwickeln.

Es konnten 31 Hotelzimmer in zwei Hotels in der Hannoveraner Innenstadt angemietet werden, in denen 34 Obdach- und Wohnungslose untergebracht und von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern betreut werden. Neben wenigen von Paaren bewohnten Doppelzimmern handelt es sich um Einzelzimmer, die zu den Bedingungen der Corona-Pandemie passen. Die Niedergerke-Stiftung finanziert die Hotelzimmer, betreut werden die 28 Männer und 6 Frauen von Diakonie, AWO und Caritas. Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes sagt: „Wenn wir uns zusammentun und gemeinsam an einem Strang ziehen, kommt etwas Wunderbares dabei heraus“.

Bereits im Frühjahr waren obdach- und wohnungslose Menschen von der Stadt Hannover unter anderem in einer Jugendherberge untergebracht worden, das Ende dieses Projekts im Oktober hatte Kritik ausgelöst. Das Ehepaar Niedergerke, Gründer der Niedergerke-Stiftung, die seit mehr als zehn Jahren Menschen in Not unterstützt, sammelten daraufhin Spenden für eine menschenwürdige Unterbringung der Obdachlosen. Udo Niedergerke erinnert sich: „Eine Flut der Hilfsbereitschaft kam auf uns zu.“ So entstand der Kontakt zu dem Stifterehepaar Carstensen (MUT-Stiftung), das die Spendensammlung der Niedergerkes großzügig aufstockte. Uwe Thomas Carstensen sagt: „Mir war klar, dass jetzt die Notwendigkeit besteht, vorzupreschen und eine Lücke zu füllen, die die Stadt Hannover gelassen hat.“ Carstensen betont jedoch, dass die Stadtgesellschaft diese Zwischenlösung langfristig nicht tragen könne.

Mit Unterstützung der Sozialarbeiter sollen Wohnungen und Arbeitsplätze für die obdach- und wohnungslosen Menschen gefunden werden. Axel Fleischhauer, Selbsthilfe für Wohnungslose e.V., sagt: Die Menschen können jetzt zur Ruhe kommen. Dies ist im täglichen Kampf um das Überleben draußen auf der Straße nicht möglich“. Gabriele Schuppe, Fachbereichsleiterin der Arbeiterwohlfahrt, ergänzt: „Menschen, die stabilisiert sind, sind zugänglich. Das Entscheidende ist, aus den Ferien von der Straße eine nachhaltige Perspektive zu entwickeln.“

Der aktuelle Spendenstand beträgt 150.000 Euro. Die Unterbringung der obdachlosen Menschen ist für die kommenden vier Monate gesichert. Die Obdachlosenhilfe Hannover e.V. hat zugesagt, die untergebrachten Menschen mit Lebensmittelspenden zu versorgen. „Das Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit ist das schönste Weihnachtsgeschenk für mich“, sagt Ricarda Niedergerke.  

Severine Bunzel
Referat für Öffentlichkeitsarbeit im Stadtkirchenverband

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