Neues Zuhause für die Ökumenische Essensausgabe

Auftakt der Ökumenischen Essensausgabe. Renate Mauritz (v.l.), Neustädter Hof- und Stadtkirche, Pfarrer Wolfgang Semmet, Pfarrgemeinde St. Heinrich, Pastor Rainer Müller-Brandes, Diakonie Hannover, Pastorin Elisabeth Griemsmann, Reformierte Kirche, Cord Kelle, Verein "Kochen für Obdachlose", Christine Tursi, Heilsarmee.
08.01.2020

Die Evangelisch-Reformierte Gemeinde beherbergt jetzt das Hilfsprojekt

Mit Schwung öffnet Pastorin Elisabeth Griemsmann die rote Eingangstür der Evangelisch-reformierten Kirche und weist nach innen. Im Foyer vor dem Treppenaufgang zum Kirchenraum steht der Wärmewagen für die Speisen. Hier teilt das ehrenamtliche Team der Ökumenischen Essensausgabe seit dem 2. Januar täglich bis zu 300 warme Mahlzeiten aus. Erstmals beherbergt die Evangelisch-Reformierte Kirche die alljährliche Speisenverteilung für wohnungslose und bedürftige Menschen.

„Wir sind froh, dass die Gemeinde diese Aufgabe übernommen hat“, sagt Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. Denn die Heilsarmee, die in den vergangenen Jahren Gastgeber für die Ökumenische Essensausgabe gewesen war, konnte das Projekt nicht weiterführen. Die Räume waren dem Andrang der Besucher einfach nicht mehr gewachsen. Unter Zeitdruck mussten im November neue Räume gesucht werden, „wir waren schon kurz davor, Zelte auf dem Schützenplatz aufzustellen“, sagt Müller-Brandes. Doch dies wäre eine sehr teure Lösung gewesen, für die komplett spendenfinanzierte Ökumenische Essensausgabe kaum tragbar.

Rund 170  Menschen besuchten 2018/19 das Angebot täglich, in den drei Öffnungsmonaten Dezember bis März verteilten die ehrenamtlichen Helfer etwa 16 000 Mahlzeiten. Die diesjährige Essensausgabe konnte wegen des kurzen Planungsvorlaufs erst ab 2. Januar beginnen und ist bis Ende Februar auch nur von Montag bis Freitag statt wie bisher auch samstags geöffnet. „Die Erfahrungen der ersten Tage zeigen, dass der neue Standort der Essensausgabe gut angenommen wird “, sagt Griemsmann. Neu ist auch, dass zwei unauffällig gekleidete Männer eines Sicherheitsdienstes in den Kirchenräumen präsent sind. „Bedingt durch die Enge in den Räumen der Heilsarmee war es auch zu Unruhe und Streitigkeiten unter den Besuchern gekommen“, berichtet Brandes, deshalb werde die Kooperation mit einem Sicherheitsdienst erprobt.

Rund 90 Menschen haben in dem Kirchenfoyer und einem angrenzenden Gemeinderaum Platz, in dem es an diesem Mittwoch ruhig zugeht. Heute gibt es Tortellini mit Tomatensoße, gekocht  von Cord Kelle vom Verein Kochen für Obdachlose (KfO). Kelle, der das Hotel und Restaurant Jägerhof in Langenhagen führt, engagiert sich seit acht Jahren ehrenamtlich und liefert an zwei Tagen warme Speisen für die Essensausgabe. An einem Tag der Woche spendet die NordLB  das Essen, zwei Tage übernimmt das Friederikenstift diese Aufgabe. Bei der Essensausgabe gibt es keine Bedürftigkeitsprüfung. „Willkommen sind alle, die eine warme Mahlzeit und auch die damit verbundenen sozialen Kontakte brauchen“, sagt Diakoniemitarbeiterin Elke Walpert-Niemann. 30 Ehrenamtliche umfasst das Team der Essensausgabe, das sie betreut und schult. Sozialarbeiter aus der Zentralen Beratungsstelle sind während der Öffnungszeiten der Essensausgabe als Ansprechpartner und Koordinatoren vor Ort. 

Auf rund 3000 schätzt Müller-Brandes die Zahl wohnungsloser, auf etwa 300 die obdachloser Menschen in Hannover. Die finanzielle Hauptlast der rund 60 000 Euro teuren Essensausgabe trägt die Diakonie.  Sorgen bereitet dem Diakoniepastor, dass „die Spendenwerbung immer schwieriger wird“. Der Verein Kochen für Obdachlose, die NordLB oder Hannover96plus sind zwar verlässliche Unterstützer der Essensausgabe, doch „wir wünschen uns noch mehr Firmen oder Privatleute, die spenden oder tageweise Essenslieferungen übernehmen“, sagt er. Die Nachfrage nach einer kostenlosen warmen Mahlzeit sei ungebrochen hoch, das Klientel habe sich aber in den vergangenen Jahren verändert. „Wir haben viele Besucher, die aus Osteuropa stammen“, berichtet Müller-Brandes. „Sie beziehen hier keine Sozialleistungen, ihre Situation ist durch Perspektivlosigkeit, Wohnungsnot, Armut und Alkoholprobleme gekennzeichnet.“ Es kämen kaum Flüchtlinge, zunehmend jedoch ältere Menschen, deren Renten nicht reichten. „Zum Ende des Monats steigen die Besucherzahlen in der Essensausgabe regelmäßig an“, hat der Pastor beobachtet.

Wichtig sind ihm und auch Pastorin Griemsmann, dass es einmal in der Woche bei der Ausgabe der Mahlzeiten auch einen geistlichen Impuls gibt, ein Lied oder eine kleine Ansprache, denn „der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein“. „Das hat die Heilsarmee angeregt und wir führen das wie bisher ökumenisch weiter“, sagt Griemsmann. Neben der Diakonie und der Reformierten Kirche gehören noch die katholische Gemeinde St. Heinrich, die Neustädter Hof- und Stadtkirche, die Heilsarmee, die Johanniter und Malteser zur Ökumenischen Trägerschaft der Essensausgabe. Wie es mit dem Projekt ab Herbst 2020 weitergeht, ist zurzeit noch ungewiss. „Wir werden ab dem Frühjahr eine neue Suche nach Räumen starten und dabei öffentlich und innerkirchlich werben“, sagt Müller-Brandes. „Und wir brauchen dringend eine solide Spendenbasis für die Essensausgabe, die im vergangenen Jahr ihr 30. Jubiläum gefeiert hat.“

Sabine Dörfel

Spendenkonto:
Evangelische Bank
Stichwort Essensausgabe
IBAN DE76 520604100200601233
BIC GENODEF1EK1      

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