Mit Pflaster und Nudeln gegen die Glücksspielsucht

Präventionsfachkräfte machen vor dem Hauptbahnhof auf das Suchtproblem aufmerksam
28.09.2017

Mit einer Fahrradtour durch die Stadt, vorbei an diversen Glückspielstätten, machten Beratungsstellen des Diakonischen Werkes, Drops Hannover (STEP gGmbH) und der Selbsthilfeverein für Glückspielsüchtige (spielfrei leben e. V.) am 27. September auf das Glücksspielproblem aufmerksam. Die Gruppe verteilte Nudeln und Pflastermäppchen "Glückspiel - ein teures Pflaster" am Schillerdenkmal.

Zum Hintergrund:

In Deutschland gibt es ca. 430.000 Menschen mit einem Glücksspielsuchtproblem, allein in Niedersachsen sind es rund 40.000 Personen. Hinter jeder Spielerin und jedem Spieler steht vielfach zusätzlich eine ebenso betroffene Ehegattin oder Ehegatte, Partnerin oder Partner, besorgte Eltern, hilflose Kinder und Freunde, die unter den Auswirkungen der Glücksspielsucht leiden.

Internationale Untersuchungen gehen davon aus, dass mindestens 10-15 Angehörige pro Glücksspieler mit betroffen sind. Drei Personen im familiären Umfeld tragen ein hohes Krankheitsrisiko. Schätzungen gehen davon aus, dass es etwa 37.500 bis 150.000 Kindern von glücksspielsüchtigen Eltern gibt. Ihr Risiko, als Erwachsene selbst suchtkrank zu werden, ist im Vergleich zu Kindern aus nichtsüchtigen Familien bis zu sechsfach erhöht.

Meistens wird das Suchtproblem des Familienmitglieds vertuscht und alle schämen sich. Vielfach fühlen sich die Angehörigen für den Zustand des suchtkranken Familienmitglieds mitverantwortlich und vernachlässigen ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse bis hin zur Isolation. „Bloß nicht auffallen“ – nach diesem Motto leben viele Angehörige und stehen unter andauernden Belastung und chronischem Stresserleben. Hinzu kommen die Schulden der Spieler, die konkrete Auswirkungen auch für die Angehörigen mit sich bringen. Durchschnittlich hat jeder pathologische Spieler 20.000 € Schulden aus dem Glücksspiel.

Eine Angehörige der Selbsthilfegruppe Spielfrei-leben beschrieb die Situation, der sie und ihre Familie immer wieder ausgesetzt sind, folgendermaßen: „Vielen nicht betroffenen Menschen ist nicht klar, wie stark die Auswirkungen der Spielsucht auf die Familie sein kann. Oft sind es die alltäglichen Dinge, die in Mitleidenschaft gezogen werden: mal vergisst der Vater das Kind zum Sport zu fahren, weil er auf dem Nachhauseweg eine Spielhalle entdeckt hat; oder man steht beim Bezahlen an der Kasse ohne Geld da, obwohl man genau wusste, dass morgens noch 50€ drin waren. Und wenn man dann zur EC- Karte greift ist die Unsicherheit immer im Hinterkopf, ob überhaupt noch Geld auf dem Konto ist... Manchmal ist es dann tatsächlich so, dass es zum Monatsende nur noch für Nudeln mit Ketschup reicht. Angehörige von Spielsüchtigen haben es permanent mit Existenzängsten zu tun, zusätzlich zu dem Vertrauensmissbrauch und dem selbst auferlegten Kontrollzwang. Ohne Hilfe stehen das nur die Wenigsten durch. Es handelt sich leider immer noch um ein Tabuthema."

Die Glücksspielenden selbst erhalten seit einigen Jahren zunehmend eine bessere Betreuung und Beratung. Aber auch die Angehörigen benötigen Unterstützung, Hilfe und vor allem Entlastung. Diese können sie nun auch in der Suchtberatung finden.

Mit der gemeinsamen Aktion machen wir auf die Situation der Mitbetroffenen aufmerksam.

Kontakt: silke.quast(at)dw-h.de 0511-3687142, natalia.schnurka(at)step-niedersachsen.de 0511-7014644, info(at)spielfrei-leben.de 0511-7900193

 

 

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