Mit neuen Ansätzen gegen Kinder- und Familienarmut - Anhörung im hannoverschen Rathaus

Rainer Müller-Brandes (links oben) trägt für die AGW vor.
17.02.2020

"Maßnahmen gegen Kinder- und Familienarmut in Hannover" war das Thema einer Anhörung des Sozial- und Jugendhilfeausschusses am 17.2.2020 im Rat der Landeshauptstadt Hannover.

Beitrag von Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes für die AGW (Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände)

Ich will drei Punkte im Namen der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsbände, die die AWO, das DRK, die Paritäter, die Caritas und uns, das Diakonische Werk umfasst, nennen.

Erstens:

Der Hannoversche Weg ist bekannt. Er ist deshalb gut, weil er viele verschiedene, möglichst passgenaue Instrumente umfasst, die auch auf die jeweiligen Bedarfe unterschiedlicher Stadtteile anwendbar sind.
Ich finde, das verdient hohen Respekt.

Wir leben in einer Stadt, in der soziale Themen wichtig sind, einer Stadt, die auch im Bereich von Kinder- und Familienarmut eine Vielzahl an Instrumenten entwickelt hat, die hilfreich sind. In unsere jeweiligen  Beratungsstellen kommen zahlreiche Ratsuchende, denen wir entweder durch eigene Angebote helfen oder wir verweisen auf Angebote von anderen Trägern wie etwa der Landeshauptstadt.

Es kommen viele, und wir können als Wohfahrtsverbände helfen.
Und damit bin ich auch beim Zweiten was ich sagen will:

Es kommen Viele, aber viele kommen auch nicht. Denn die Zahlen zeigen: Der Hilfs- und Unterstützungsbedarf ist immens.
Das Monitoring zeigt: Jede vierte Familie ist alleinerziehend, die Hälfte all dieser Familien ist auf Unterstützung zum Lebensunterhalt angewiesen. Jedes vierte Kind, jeder vierte Jugendliche in unserer Stadt ist auf Transferleistungen angewiesen.

Es geht um 5 stellige Zahlen an Kindern und Jugendlichen, zu denen dann noch die Eltern hinzuzurechnen sind. Wie kommen die Informationen bei den Betroffenen an?

Manchmal kann es interessant sein, über den Tellerrand zu schauen.
So gibt es im Süden Deutschlands, in Tübingen ein Projekt, mit dem Namen TAPs: Tübinger Ansprech-Partnerinnen. Ich möchte anregen, sich das oder die dahinter liegende Idee einmal anzuschauen.

Die sog. TAPs sind in ihren jeweiligen Institutionen tätig, in denen sie von jeher bereits arbeiten und angestellt sind: In Kitas, in Schulen, in Stadtteil- in Jugendtreffs, in Vereinen, Verwaltungsstellen, in den Kirchengemeinden und selbstverständlich in den Wohlfahrtsverbänden.

Die TAPs machen in ihrer Institution bekannt, dass sie zu Fragen rund um „Wenig Geld“ ansprechbar sind. Sie haben Zugang zu Informationen, geben diese weiter oder verweisen direkt an die Anlaufstellen. Zielgruppe sind Kinder, Jugendliche,  Eltern und Familien, die von Armut betroffen oder bedroht sind. TAPs agieren als Mittler für diese. Der Zugang zur Zielgruppe erfolgt also dort, wo TAPs tätig sind, in ihrer jeweiligen Institution. TAPs übernehmen diese Rolle freiwillig.

Natürlich müssen sie dafür geschult werden und regelmäßig die aktuellen Informationen bekommen. Hier bedürfte es einer hauptamtlichen Unterstützung, durch die gewährleistet ist, dass die Informationen und die Materialien in die Dienstbesprechungen von Einrichtungsleitungen, Kindertagesstätten, Schulen, Schulkinderbetreuungen etc. gelangen.

Bei Bedarf bieten wir als AGW auch an, hierüber ins Gespräch zu kommen und im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen. Im vergleichsweise kleinen Tübingen konnten auf diese Weise 130 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewonnen werden.

Eine Anregung, die wir gerne weitergeben.

Drittens und letztens:

Nach dem Reden kommt das Tun. Das Patentrezept gibt es nicht, aber alle haben Erfahrungen und Ideen. Lassen Sie uns daran anknüpfen. Unsere Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände steht dafür gerne bereit,

Schließlich sind wir uns einig: Die Kinder, die Familien, unsere gemeinsame Zukunft ist es wert, dass wir uns weiter kümmern und einsetzen.

 

 

 

Eingeladen wurden für die Anhörung neben der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände in der Stadt Hannover u. a. die Landesarmutskonferenz Nds., die Landesvereinigung und Akademie für Sozialmedizin Nds., Hilfe für Kinder gGmbH, Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Frankfurt, das Sozialreferat der Stadt Braunschweig und die Bertelsmann-Stiftung.

Mehr zum Thema Kinder- und Familienarmut hier.

 

 

Weitere Fotos

Kindernachmittagsbetreuung im OGTS-Bereich durch das Diakonische Werk
In den Stadtteilen

befinden sich Einrichtungen der Diakonie

Menschen in Stadt(-teil) und Gemeinde