Mehr Ratsuchende im Evangelischen Beratungszentrum - Oskar-Winter-Straße

Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes und Angela Wilhelm, Leiterin des Beratungszentrums Oskar-Winter-Straße, berichten von einer stark angestiegenen Beratungsnachfrage bei der zweiten Corona-Welle. Foto: Sabine Dörfel
09.12.2020

Das Evangelische Beratungszentrum Oskar-Winter-Straße  des Diakonischen Werkes Hannover berichtet von täglich rund 30 Ratsuchenden, die sich telefonisch melden. „Wir werden im Gegensatz zur ersten Corona-Welle jetzt von Anfragen überschwemmt“, sagte Angela Wilhelm, Leiterin des Beratungszentrums. Die Wartezeit für ein Erstgespräch habe sich von normalerweise zwei auf jetzt vier Wochen verdoppelt. Die Beratungs-Kapazitäten der neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien zurzeit voll ausgeschöpft.

Die Themen der Ratsuchenden seien je nach Zielgruppe unterschiedlich. So stünden bei den Einzelberatungen die Themen Einsamkeit, depressive Verstimmungen und Ängste im Vordergrund. „Durch die Corona-Beschränkungen und vermehrtes Arbeiten im home office fehlen Kontakte und geregelte Tagesstrukturen“, berichtete Wilhelm. „Selbst Menschen mit guten psychischen Ressourcen kommen hier an Belastungsgrenzen.“ Dies gelte verstärkt für Senioren. In der Paarberatung gehe es um eskalierende Streitigkeiten, aufgestaute Probleme träten jetzt zutage. Kitaschließungen und home office belasteten Familien, die ihren Alltag in oft engen Wohnungen neu organisieren müssten. Besonders stark seien davon Alleinerziehende betroffen.

Wilhelm erläuterte weiter, dass auch junge Menschen zunehmend von Einsamkeit, Lustlosigkeit und sozialem Rückzug insbesondere in die digitale Welt berichteten. „Durch Corona fehlt ihnen ein ganzes Jahr ihrer Entwicklung“, fasste die Beraterin zusammen. „Besonders schwierig wird es, wenn sie eine Ausbildung oder ein Studium beginnen und dafür in eine neue Stadt ziehen müssen, in der sie noch keine Kontakte haben.“ Wilhelm wies darauf hin, dass ein Arbeitsbereich des Beratungszentrums auch die Suizidprävention bei jungen Menschen sei, beispielsweise auch durch Veranstaltungen in Schulen.

Als hilfreich habe sich bei allen Beratungen erwiesen, die persönlichen Ressourcen der Klienten zu stärken. Wichtig zur Bewältigung der Probleme in der Corona-Zeit seien weiter die Themen Tagesstruktur, Beziehungspflege, Alltagsorganisation und Kommunikationsfähigkeit. „Einsamkeit ist ein noch viel zu leises Thema“, sagte Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes. Er appellierte an die Politik, bei aller Konzentration auf die Bekämpfung der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Folgen auch die psychosoziale Versorgung der Menschen im Blick zu behalten. Dafür müsse es auch finanzielle Ressourcen geben.

Das seit rund 50 Jahren bestehende Evangelische Beratungszentrum Oskar-Winter-Straße ist Teil des Diakonischen Werkes Hannover. Mit einem integrierten Beratungskonzept bietet es Ehe-, Lebens- , Familien-  und Erziehungsberatung, Jugendhilfemaßnahmen sowie Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung an. Angela Wilhelm ist seit Juli 2020 Leiterin des Beratungszentrums, in dem neun therapeutisch ausgebildete Beraterinnen und Berater mit Teilzeitstellen arbeiten. Im Jahr 2019 wurden rund 1100 Beratungen durchgeführt.   

Sabine Dörfel
Öffentlichkeitsarbeit des Stadtkirchenverbands

Mehr zum Evangelischen Beratungszentrum finden Sie hier.

In den Stadtteilen

befinden sich Einrichtungen der Diakonie

Menschen in Stadt(-teil) und Gemeinde