Mehr Beratungsbedarf von Familien, Kindern und Jugendlichen

Foto: (v.l.n.r.) Angela Wilhelm und Melanie Kieback vom Ev. Beratungszentrum mit Lutz Jung.
12.10.2021

Die Corona-Pandemie erforderte besonders von Familien und jungen Menschen ein hohes Maß an Flexibilität, Geduld und Kraft sowie die Fähigkeit, immer wieder nach Lösungen und Alternativen zu suchen. Aus diesem Grund steigt die Nachfrage nach psychosozialer und psychologischer Unterstützung in Familien beim Evangelischen Beratungszentrum des Diakonischen Werkes Hannover.

Mehr als 1.700 Ratsuchende nutzten im Jahr 2020 das Angebot. In allen Phasen der Pandemie blieb das Ev. Beratungszentrum geöffnet und das Angebot aufrechterhalten. Beraten wurde teilweise mit Maske, mit Plexiglasscheibe und alternativ per Telefon oder Video. Die nahe Eilenriede ermöglichte Gespräche bei Spaziergängen. Beratungsgespräche wurden häufig als einer der wenigen erlaubten Sozialkontakte empfunden, wofür die Menschen dankbar waren.

„Das vergangene Jahr 2020 hat uns einiges abverlangt,“ erklärt Angela Wilhelm, Leiterin des Ev. Beratungszentrums, „Die seelischen Folgen der Pandemie werden uns im Nachklang noch lange Zeit beschäftigen. Selbst psychisch stabile Menschen gerieten in Krisen, viele hat es um ihr Sicherheitsgefühl gebracht. Belastungen zeigten sich für alle, also für Alleinerziehende, Singles, Paare, Familien, Senior_Innen, Kinder und junge Menschen. Besonders stark betroffen waren junge Menschen, da allzu oft die Bedürfnisse der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen anderen Prioritäten untergeordnet werden mussten.“

„Besonders junge Männer im Erwachsenenalter haben sich bei uns gemeldet. In der Pandemie wurden die Menschen stark an ihre Grenzen getrieben, das hat vor allem junge Männer gefordert,“ erklärt Diplom-Pädagogin Melanie Kieback, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin des Ev. Beratungszentrum. „Wenn eine Krise so lange anhält und noch weitere Ängste und Sorgen wie bei der Klimakrise hinzukommen, ist das kaum aushaltbar. Das Zuhause ist zum sicheren Schutzraum geworden, aber gleichzeitig entsteht bei den Menschen auch eine Angst vor der Normalität und man muss den Schutzraum wieder verlassen, das gelingt nicht jedem so gut und hier wird Unterstützung nach wie vor benötigt,“ so Kieback weiter.
„Auch für die Mitarbeitenden war die Situation während der Pandemie eine Herausforderung, da viele natürlich auch zum Beispiel von Homeoffice, Homeschooling, geschlossenen Einrichtungen und der Frage, wie es weiter geht, betroffen waren,“ erklärt Lutz Jung, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Hannover gGmbH. Erschwerend komme hinzu, dass öffentliche Angebote für Jugendliche zur Verarbeitung der Pandemie fehlen. In diesem Bereich werde das Thema Aufarbeitung weiterhin eine bedeutende Rolle spielen.

Das Ev. Beratungszentrum leistet insgesamt mit seinem multiprofessionellen Team einen wichtigen Beitrag, Menschen in Krisen zu helfen. Es bietet darüber hinaus Fortbildungen, Supervision und Beratung zu Fragen der Schwangerschaft und Vertraulichen Geburt an. Seine Tätigkeit ist Teil des diakonischen, seelsorgerlichen Handelns der Kirche und eine Ergänzung anderer kirchlicher Angebote für Menschen in Konfliktsituationen. Allen Klienten/innen wird psychologische Beratung angeboten, unabhängig von ihrer Konfession. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht, alle Gespräche werden vertraulich behandelt.

Kontakt:

Angela Wilhelm
Diplom-Pädagogin
Leitung des Beratungszentrums
Diakonisches Werk Hannover
Ev. Beratungszentrum Oskar-Winter-Straße
Oskar Winter-Straße 2
30161 Hannover
E-Mail: ev.beratungszentrum.hannover@dw-h.de
www.diakonisches-werk-hannover.de/beratungszentrum

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