Leine-Lotsen und Brüder-Grimm-Schule bieten Sommerschule an

Leif-Eric Otten (v.l.) und Helen Fritzsche vom Leinelotsen-Team und Schulleiter Thomas Schirrmacher packen noch die letzten Lernkisten für die Sommerschule. Foto: Sabine Dörfel
02.08.2021

„Unsere Erstklässler kennen keinen normalen Schulbetrieb“, sagt Thomas Schirrmacher, Leiter der Brüder-Grimm-Schule in der List. „Sie haben im vergangenen Jahr nur ständig wechselnde Anwesenheitsszenarien erfahren, Lernen an Einzeltischen mit Abstand, keinen Sport mit Spielen und Berührungen.“ Die Folgen erleben die Lehrkräfte jetzt. „Soziale Kompetenzen sind auf der Strecke geblieben, die Kinder sind unruhig, vermehrt aggressiv und können sich nur schwer in die Gruppe einfügen“, hat Schirrmacher beobachtet. Viele haben auch Lernrückstände, besonders wenn die Eltern nicht mit ihnen zu Hause lernen konnten, sei es wegen beengter Wohnungen oder Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Hoffnung setzt Schirrmacher auf die Sommerschule, die vom 9. bis 27. August an der Brüder-Grimm-Schule stattfindet. Sie wird von der Stadt Hannover finanziert und von den Leine-Lotsen des Diakonischen Werkes Hannover organisiert und betreut.

Auf die knapp 30 angemeldeten Kinder aus der ersten bis dritten Klasse wartet ein umfangreiches, vielfältiges Programm. Vormittags gibt es drei Stunden Unterricht in den Hauptfächern Deutsch, Mathe und Sachkunde. Mittags essen alle gemeinsam und nachmittags geht es weiter mit einem lernorientierten Freizeitprogramm. Miethühner kommen zu Besuch und wollen gefüttert und gepflegt werden. Studierende und Lehrende der Leibniz-Universität führen mit den Kindern naturwissenschaftliche Experimente durch und geben eine spielerische Einführung in Elektrotechnik und IT. Experimentierboxen der Forscherkids der Region Hannover können während der ganzen drei Wochen genutzt werden. „Ziel der Sommerschule ist es, Lernlücken zu schließen“, sagt Schirrmacher. „Ebenso wichtig ist aber auch das soziale Lernen in der Gruppe.“ Wie man zum Beispiel einen Streit gewaltfrei beilegt. Während des Schuljahres musste die Grundschule erstmals Pausenaufsichten mit gelben Warnwesten ausstatten. Brach ein Konflikt aus, konnten sich die Kinder sofort an die „gelben Engel“ wenden. „Diese Hilfe war sehr nachgefragt, wir mussten unsere Pausenaufsichten sogar personell verstärken“, berichtet der Schulleiter. „In der entspannten Atmosphäre der Sommerschule können die Jungen und Mädchen auch ihre Team- und Kooperationsfähigkeit verbessern“, hofft er.

Die Schule und das Leine-Lotsen-Team haben sich gut vorbereitet. Die Lehrkräfte und das Sonderpädagogik-Team der Schule haben für jedes Kind eine individuelle Lernkiste gepackt. Darin sind Hefte, Aufgaben und spezielles Bildmaterial. Aus diesen Kisten schöpfen die Unterrichtenden an den Vormittagen der Sommerschule. Sechs Lehramts-Studierende kümmern sich in Kleingruppen um die Kinder. Das Leine-Lotsen-Team ist mit bis zu zwölf Mitarbeitenden ganztags vor Ort. Sie kennen die Kinder, denn seit rund sechs Jahren gestalten die Leine-Lotsen mit einem 20-köpfigen Team die Ganztags- und Ferienbetreuung an der Schule. Im Büro von Leif-Eric Otten und Helen Fritzsche gehen die Kinder ein und aus, gerade hat sich die sechsjährige Marie ein Pflaster für eine kleine Schramme am Arm abgeholt. „Mit der Sommerschule wollen wir den Kindern auch Mut machen für das neue Schuljahr, deshalb liegt sie in den letzten drei Ferienwochen“, sagt Fritzsche. „Wir wollen den Kindern den Einstieg in die nächsthöheren Klassen erleichtern.“ In der heterogenen Schülerschaft der Brüder-Grimm-Schule hätten besonders Kinder aus den Familien, in denen Deutsch noch eine große Sprachhürde ist, Schulprobleme. „Wie sollen die Eltern den Kindern dann bei den Hausaufgaben helfen?“, fragt Fritzsche.

Otten und Fritzsche führen die guten Anmeldezahlen für die Sommerschule auch darauf zurück, dass die Teilnahme dank der städtischen Finanzierung kostenlos ist. „Wenn wir sonst Ferienbetreuung anbieten, gibt es einen Teilnahmebeitrag von 15 Euro pro Tag“, sagt Otten. „Das ist eine tolle Chance, jetzt die Sommerschule kostenlos anbieten und dadurch wesentlich mehr Eltern ansprechen zu können.“ Zum Einzugsgebiet der Schule gehören auch eine Flüchtlingsunterkunft sowie strukturell schwächere Viertel. Gute Erfahrungen haben die Schule und das Leine-Lotsen-Team bereits mit der Herbstschule, einem vergleichbaren Lern- und Freizeitangebot in den Herbstferien vergangenen Jahres gemacht. Zwei Drittel der Jungen und Mädchen, die daran teilgenommen hatten, konnten sich in Deutsch und Mathe verbessern und knapp 90 Prozent bewerteten das Angebot als gut und unterstützend. „Die Lernkisten sind fertig gepackt, einige von uns gehen vorher nochmal in Urlaub und dann sind wir von unserer Seite aus startklar für die Sommerschule“, blickt Fritzsche zuversichtlich voraus.

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