Kältewelle: Obdachlose können in Marktkirche übernachten

Obdachlose Menschen können während der Kälteperiode in der Marktkirche übernachten. Foto: Insa Becker-Wook
05.02.2021

Die Marktkirchengemeinde und das Diakonische Werk Hannover reagieren auf die Kältewelle mit einer Initiative, die von der Landeshauptstadt Hannover unterstützt wird: Seit Sonntag, 7. Februar 2021, 18 Uhr, ist die Marktkirche Hannover ein zusätzlicher Anlaufpunkt für obdachlose Menschen, den sie aufsuchen können, um dort zu übernachten. Das Angebot wurde bis zum 19. Februar verlängert.

Die Kirchengemeinde stellt ehrenamtliche Kräfte. Sie betreuen die Obdachlosen und reichen warme Getränke und Gebäck. Das Diakonische Werk bereitet Informationsblätter in vier verschiedenen Sprachen vor. Sozialarbeiter des Diakonischen Werkes Hannover sind jeden Morgen für Unterstützung und Beratung vor Ort in der Marktkirche. Die Landeshauptstadt kümmert sich um das Thema Sicherheit. Wie Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann betont, werden die geltenden Corona-Auflagen bei der spontanen Hilfsaktion eingehalten.

„Es zeigt sich, dass Hannover eine solidarische Stadt ist", betont Sylvia Bruns, Sozialdezernentin der Landeshauptstadt. „Als Kirche sind wir bei den Nöten und Ängsten der Menschen und da ist es für uns selbstverständlich, dass wir diese Kirche öffnen. Kirchen sind schon immer Schutzraum für Menschen in Not gewesen“, sagt Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes.

Die Landeshauptstadt erklärt, dass Hannover insgesamt gut vorbereitet sei, um Obdachlosen während der Kältewelle Hilfe anzubieten. Die Stadt verfügt aktuell in den Notunterkünften über ausreichende freie Kapazitäten. Das bedeutet, dass die Stadt auch bei sinkenden Temperaturen mehr Menschen einen Platz zum Übernachten anbieten kann. Für den Tag verfügt die Stadt im Tagesaufenthalt Schulzentrum Ahlem ebenfalls noch über freie Kapazitäten. Dieser Anlaufpunkt ist aktuell nur zur Hälfte ausgelastet. Sollte es zu einer vollen Auslastung kommen, kann die Kapazität kurzfristig erhöht werden. Durch die Öffnungszeit von 10 bis 16 Uhr und die Öffnungszeiten der Notschlafstellen von 17 bis 9 Uhr bietet die Stadt fast rund um die Uhr warme Aufenthaltsmöglichkeiten an unterschiedlichen Standorten an. Darüber hinaus hat die Stadt auch in den festen Unterkünften noch freie Plätze in Einzel- und Doppelzimmern.

+++ Update 8. Februar 2021: VHS als Tagesaufenthalt +++

Die Landeshauptstadt Hannover bietet für obdachlose Menschen aufgrund der anhaltenden Kältewelle seit dem 8. Februar 2021 ein zusätzliches Angebot zum Tagesaufenthalt in der Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover an. Die Räumlichkeiten stehen von 7.30 bis 18.00 Uhr an jedem Tag dieser Woche zur Verfügung. Das Angebot gilt zunächst bis zum 13. Februar.

Möglich wurde diese schnelle und unbürokratische Hilfe zum einen, weil derzeit kein Präsenzunterricht in der VHS stattfindet und zum anderen durch den spontanen Einsatz von 25 ehrenamtlich Engagierten, die die Menschen dort betreuen. Sie arbeiten in Schichten, jeweils zwei Stunden, in denen sie Imbiss und Getränke anbieten und auch für Gespräche bereitstehen. Es gibt auch die Möglichkeit, Schlafpausen einzulegen. Dafür stehen Yogamatten zur Verfügung, die durch die derzeit Corona-bedingt ausgefallenen Yoga-Kurse, nutzbar sind. Für die Privatsphäre sind diese durch Stellwände abgetrennt. Am Eingang der VHS werden Fiebermessungen durchgeführt und OP-Masken sowohl für das Personal als auch für die obdachlosen Menschen verteilt.

+++ Update 12. Februar 2021: Übernachtungsmöglichkeit wird verlängert +++

Die Marktkirche öffnet weiterhin nachts ihre Türen für obdachlose Frauen und Männer und verlängert ihr Angebot bis zum 19. Februar. Die Marktkirchengemeinde und das Diakonische Werk Hannover haben am vergangenen Wochenende gemeinsam mit der Landeshauptstadt Hannover spontan auf die Notlage der Menschen reagiert, die auf der Straße leben.

"Auf dem roten Teppich stehen seit Donnerstag Feldbetten, um die ich die Malteser gebeten hatte“, sagt Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann, die das Projekt leitet. „Dennoch bleibt es eine Notlösung und ich bin erleichtert, dass die Volkshochschule tagsüber als Aufenthaltsort geöffnet ist. Viele Bürger:innen Hannovers bringen Kleider- und Lebensmittelspenden. Ich freue mich, dass die Gäste sich trotz der einfachen Bedingungen offensichtlich geborgen fühlen."

„Es bleibt kalt, deshalb haben wir sehr schnell beschlossen, eine Woche zu verlängern“, ergänzt Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes, „das Angebot wird gut angenommen und die obdachlosen Menschen sind sehr dankbar.“

Von 18.00 bis 7.30 Uhr bietet die Marktkirche Schlafplätze für Wohnungslose an. Ehrenamtliche und Hauptamtliche der Marktkirche sowie der Stadtgesellschaft unterstützen das Projekt mit nächtlicher Präsenz und dem abendlichen Bewirten mit Tee, belegten Brötchen und Obst. Das Diakonische Werk hat Informationsblätter in vier verschiedenen Sprachen erstellt. Ein Sozialarbeiter des Diakonischen Werkes Hannover ist jeden Morgen zur Unterstützung und Beratung vor Ort in der Marktkirche. Die Landeshauptstadt hat den Sicherheitsdienst SoVa UG engagiert. Die geltenden Corona-Auflagen werden bei der Hilfsaktion eingehalten.

In den Stadtteilen

befinden sich Einrichtungen der Diakonie

Menschen in Stadt(-teil) und Gemeinde