Jugendliche nehmen häufiger Beratung in Anspruch

Psychologischer Berater Stefan Pydde im Gespräch
26.09.2018

Hannover (epd). Jugendliche nehmen nach Beobachtungen von Psychologen immer häufiger die Hilfe einer Lebensberatungsstelle in Anspruch. Dabei spiele Mobbing an der Schule eine Rolle, aber auch die Trennung oder Scheidung der Eltern, sagte der Leiter des Evangelischen Beratungszentrums in Hannover, der Sozialpsychologe Axel Gerland, am Mittwoch. Auch Suizidprävention sei dabei manchmal ein Thema: "Das Ende der ersten Liebe ist für Jugendliche häufig ein Absturz." Eine solche Situation lasse sie mitunter am Sinn ihres Lebens zweifeln. Durch Besuche an den Schulen versuche die Beratungsstelle, ihre Angebote bekanntzumachen.

Insgesamt sei im vergangenen Jahr sowohl die Zahl der beratenen Jugendlichen bis 18 Jahre als auch die Zahl der Erziehungsprobleme in der Beratung deutlich gewachsen, erläuterte Gerland mit Blick auf den Jahresbericht für 2017. Manche Jugendliche kämen allein, andere zusammen mit ihren Eltern. In vielen Fällen ließen sich Eltern auch allein zu Erziehungsproblemen beraten. Verhaltensauffälligkeiten durch Krankheiten wie ADHS sei dabei ebenso Thema wie die Frage, wie lange ein Kind vor dem Computer sitzen solle.

"Kinder sind kostbarer geworden", sagte Gerland. "Das sieht man etwa daran, wie sie umhegt werden." Eltern müssten manchmal aber auch loslassen können. Die psychologische Beraterin Karin Aumann berichtete, dass sich manchmal auch junge Eltern sehr kleiner Kinder bei der Beratungsstelle meldeten. "Sie haben das Bild einer glücklichen Familie im Kopf. Aber wenn dann das Kind da ist, merken sie, es ist oft gar nicht so."

Das Evangelische Beratungszentrum in Hannover ist die größte Lebensberatungsstelle in der Landeshauptstadt und zugleich die größte unter den 31 psychologischen Beratungsstellen der hannoverschen Landeskirche. Im vergangenen Jahr suchten 1.752 Menschen dort Rat, die Nachfrage blieb damit etwa auf dem Niveau des Vorjahrs. Der Anteil der Frauen lag weiterhin bei 60 Prozent. Der größte Teil der Gespräche war wie 2017 durch Ehe- und Partnerschaftsprobleme veranlasst.

In 80 Prozent der Fälle konnten die zehn Beraterinnen und Berater des Zentrums den Ratsuchenden in bis zu fünf Sitzungen weiterhelfen. Nur in wenigen Fällen waren bis zu 20 Sitzungen nötig. Gerade bei Jugendlichen genüge oft ein einziges Orientierungsgespräch, sagte Gerland.

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