Hoffnungsvolle Zwischenbilanz des PonteAzubi-Projektes!

Bilal Sharbaji und Kathrin Altmann
20.06.2019

Am 14. Juni hat PonteAzubis das erste Ausbildungsjahr mit vielen seiner Teilnehmer_innen im Haus Kirchlicher Dienste gefeiert und Akteur_innen im Bereich Arbeitsmarktintegration von jungen Menschen mit Fluchtgeschichte zum Austausch eingeladen.

Neben lebendiger Musik vom Old Damascus Duo gab es einen prägnanten Einblick in die Arbeit von PonteAzubis: Einige PonteAzubis haben sich selbst präsentiert, René Schoof, Ausbildungsleiter bei Avacon, berichtete über seine Erfahrungen mit geflüchteten Azubis und es wurde an Thementischen über wichtige Stationen der Ausbildung diskutiert. Im Anschluss an den offiziellen Teil gab es leckeres Essen, was die PonteAzubis selbst organisiert und teilweise selbst zubereitet haben.

Im Gespräch mit PonteAzubis-Leitung, Waltraud Kämper, berichtet René Schoof wie Bewerber_innen mit Fluchtgeschichte bei Avacon einen Ausbildungsplatz bekommen haben:

„Einer unserer besten Auszubildenden, den wir jetzt nach seiner Ausbildung fest angestellt haben, hatte am Anfang noch sehr mangelhafte Sprachkenntnisse. Wir haben uns entschieden, ihn trotzdem im Rahmen eines Praktikums kennenzulernen und da hat er uns persönlich überzeugt. Wir haben gemerkt, Motivation und eine gute Chemie zwischen dem Team und dem Azubi sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Ausbildung“.

Es lohnt sich also, einen zweiten Blick auf Bewerber_innen mit Fluchtgeschichte zu werfen. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen empfiehlt René Schoof den Bewerber_innen :

„Der persönliche Eindruck ist am wichtigsten. Wenn Sie persönlich bei einer Firma vorbeigehen, zeigen Sie Ihre Motivation und außerdem kann der Betrieb direkt entscheiden, ob die Chemie stimmt!“

Am Thementisch: Neu im Betrieb: Wie werde ich Teil des Teams? konnten sich die Azubis gegenseitig bestärken, dass es sich lohnt auf Ihre Kolleg_innen und Mitschüler_innen zuzugehen:

Rosa Ammar (Name geändert): „Am Anfang meiner Ausbildung hatte ich noch Angst mich mit meinen Kolleg_innen zu unterhalten, weil ich befürchtete Fehler auf Deutsch zu machen. Dank meiner PonteAzubis-Patin weiß ich jetzt, dass es ok ist Fehler zu machen. Man lernt durch die Fehler! Am wichtigsten ist es, dass ich es probiere. Dann bin ich Teil des Teams“.

Omar Khalifa (Name geändert) meint andererseits, dass es ihm sehr geholfen hat, dass sowohl seine Kolleg_innen im Betrieb als auch seine Mitschüler_innen in der Berufsschule gerade am Anfang der Ausbildung aktiv auf ihn zugegangen sind und ihm Hilfe angeboten haben.

„Die Leute im Betrieb sind aber am wichtigsten, weil man mit ihnen mehr Zeit verbringt“.

Renè Schoof meinte an seinem Thementisch zu diesem Punkt, dass es auch eine Führungsfrage ist, ob ein Team gut funktioniert:

„Es ist sehr wichtig, dass die Leitung abwertende Bemerkungen über Mitarbeiter_innen konsequent unterbindet und ein vertrauensvolles Klima schafft, in dem sich alle trauen, Konflikte anzusprechen. Und dass die Leitungsebene die Sorgen ihrer Mitarbeiter_innen Ernst nimmt und wenn nötig konkrete Lösungsvorschläge macht.“

Michéle Geerke, die Ausbildungskoordinatorin vom Malereibetrieb Temps, meinte ihrerseits, dass die Ausbildungen bei Temps außerdem erfolgreich laufen, weil alle Hierarchieebenen in gutem Kontakt miteinander seien.

Bei der Veranstaltung ging es auch um Empowerment von unseren PonteAzubis:

„Ich habe noch nie vor so fremden Leuten und einem großen Publikum gesprochen – weder auf meiner Muttersprache noch auf Deutsch. Heute war es das erste Mal. Ich war sehr aufgeregt, aber ich war gut vorbereitet und jetzt freue ich mich sehr und bin ich sehr stolz auf mich, dass ich so mutig war. Ich danke allen, die im Projekt arbeiten und ich hoffe, dass es immer weiter geht“. (Rosa Ammar)

Wir vom PonteAzubis-Team sind stolz, dass auch unsere weiblichen PonteAzubis-Teilnehmerinnen sich so aktiv eingebracht und ihr Können gezeigt haben und freuen uns auf weitere eineinhalb Jahre mit unseren Azubis und Pat_innen. 

Kathrin Altmann

Ein Veranstaltungsbericht, h1-Fernsehen vom 17.6.2019

Mehr zum PonteAzubi-Projekt

Weitere Fotos

Marjanu Amjad trägt ein Gedicht vor
Das Old Damascus Duo erfreut die Anwesenden mit Musik
Waltraud Kämper moderiert
Austausch am Thementisch
Ergebnisse der Thementische
Vielseitiges Buffet
In den Stadtteilen

befinden sich Einrichtungen der Diakonie

Menschen in Stadt(-teil) und Gemeinde