Diakonisches Werk Hannover und Blaues Kreuz machen Sucht zum Thema an Schulen

09.02.2022

Niemand redet gerne über Probleme in der eigenen Familie. Wenn der Vater die Arbeit verliert, der Bruder wieder mal durch eine Schlägerei aufgefallen ist oder die Schwester nur noch volltrunken abends nach Hause kommt, wird bei vielen Familien der Mantel des Schweigens ausgebreitet, nicht über die schlimme Situation gesprochen. Schon gar nicht mit Anderen. Gerade letzteres Beispiel, gerade Süchte werden oft konsequent verdrängt. Dabei haben viele Kinder und Jugendliche ähnliche Situationen durchlebt. Ein Familienmitglied hat durch seine Sucht nicht nur den Familien-, sondern auch den eigenen Seelenfrieden zerstört.

Mit dem Projekt „Schul-KITT - Kinder aus suchtbelasteten Familien stärken“, gefördert vom GKV-Bündnis für Gesundheit, wollen das Diakonische Werk Hannover als Kooperationspartner der Stadt und das Selbsthilfebündnis „Blaues Kreuz“ Schüler für diese Problematik sensibilisieren. Die Abkürzung „KITT“ stehe für den sprichwörtlichen Zusammenhalt, so Stefan Krüger von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes.

Seit Anfang des letzten Jahres besuchen Teams, zusammengesetzt aus Mitwirkenden des Diakonischen Werkes und des Blauen Kreuzes, allgemeinbildende Schulen im hannoverschen Stadtgebiet und klären direkt im Schulunterricht auf, Zielgruppe sind 7. und 8. Schulklassen, so Krüger. In diesen Klassen seien die Schüler für diese Thematik gut ansprechbar, „man kann sich mit ihnen inhaltlich gut auseinandersetzen. Es ist ein spannendes Alter, deshalb haben wir es gewählt“, so Krüger über die Gründe. Thematisiert werden unter anderem Alkohol, illegale Drogen oder auch Mediensucht, so Krüger weiter.

Die konkrete Umsetzung des Projektes erfolgt in drei aufeinanderfolgenden Schulstunden. In den ersten beiden Stunden werden zunächst mit einer Art „Brainstorming“ Eindrücke bei der Schülerschaft gesammelt, berichtet Krüger. „Wo holen wir sie eigentlich ab“, sei hier die Zielsetzung. Sprich: Inwiefern hatten sie mit solchen Situationen schon Kontakt, wie weit sind sie schon informiert.

Danach werden drei Kurzfilme zur Thematik gezeigt, mit entsprechenden Inhalten, mit entsprechenden Handlungen. Dann werden drei Gruppen gebildet, mit der Aufgabe, die Handlungen der Filme „weiter zu spinnen. Sie bringen es auf die Bühne, spielen es der Klasse vor“, sagt Krüger und zeigt sich gleichzeitig begeistert von dem Gesehenen, über das anschließend gesprochen wird. „Das kriegen sie alle großartig hin, da kommen immer spannende Ergebnisse bei raus.“

In der dritten Stunde schließlich tritt das Blaue Kreuz auf den Plan, eine christliche Organisation der Suchtkrankenhilfe aus Hannover. Ein Mitglied berichtet über selbst gemachte Erfahrungen und eigene Erlebnisse, stellt sich anschließend den Fragen der Schüler. „Das ist natürlich ein sehr direkter Einblick, den die Schüler dann haben und sehr persönlich, das rundet das schon ziemlich ab“, so Krüger, der mit der Resonanz der Schülerschaft auf das Projekt sehr zufrieden ist. Vor allem damit, wie die Schüler von eigenen Erfahrungen erzählen. „Das hat uns sehr erstaunt, wie offen die auch teilweise vor der Klasse davon berichten können, da haben wir im Vorfeld nicht mitgerechnet. Wir dachten, das ist ein schambesetztes Thema, dass da überhaupt nichts kommt, dass wir das nie erfahren würden. Aber da sind tatsächlich einige ganz selbstbewusst. Das finden wir toll“, schwärmt Krüger, der das Team des Diakonischen Werkes und des Blauen Kreuzes ab und zu auch selber vor Ort unterstützt.

Die Nachfrage nach weiteren Besuchen des Teams sei da, so Krüger. Zu den bisherigen drei Schulen sei nun eine vierte hinzugekommen, Termine seien auch schon verabredet worden. Und von weiteren habe man auch schon Nachfragen bekommen.

Krüger hofft auf eine ständige Etablierung des Projektes, „das ist natürlich unser Ziel“. Abhängig sei dies von weiteren Finanzierungen; der aktuelle Förderzeitraum beträgt drei Jahre, das GKV- Bündnis für Gesundheit ist hier als finanzierender Partner mit an Bord. Die Förderung erfolgt durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen des GKV-Bündnisses für Gesundheit (www.gkv-buendnis.de).

Da man mit diesem Thema aber sehr im Trend sei, glaube er, dass daraus dauerhaft etwas werden könne, so Krüger abschließend.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Text: Jens Thilo Nietsch

 

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Das Präventionsprojekt Schul-KITT wird in Zusammenarbeit mit der Stadt Hannover, der Hochschule Hannover und Blaues Kreuz Hannover durchgeführt.
Das Präventionsprojekt Schul-KITT wird gefördert durch das GKV-Bündnis für Gesundheit.
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