Bundesweiter Aktionstag zur Suchtberatung am 4. November

04.11.2020

Das Diakonische Werk Hannover unterstützt den bundesweiten Aktionstag zur Suchtberatung am Mittwoch, 4. November, unter dem Motto „Kommunal wertvoll!“. Der erstmalig stattfindende Tag soll auf die Dringlichkeit der Finanzierung und die Zukunftssicherung der Suchtberatungsstellen aufmerksam machen.

Corona-Pandemie verschärft Konsumverhalten

Suchtberatungsstellen beraten und behandeln Abhängigkeitskranke und ihre Angehörigen in Krisen sowie in längerfristig herausfordernden Lebenssituationen. 1300 Suchtberatungsstellen erreichen bundesweit mehr als eine halbe Million Abhängigkeitserkrankte und ihre Angehörigen. Der Großteil der Beratungsprozesse wird mit einer positiven Prognose beendet. Laut einer aktuellen Studie zum Konsumverhalten wurden während der Corona-Pandemie und des Lockdowns größere Mengen und auch früher am Tag Alkohol getrunken. Bei den illegalen Drogen haben sich riskante Konsummuster verändert.

Diese Entwicklung bemerkt auch Sozialarbeiter Michael Hofmann von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention Springe des Diakonischen Werkes Hannover: „Die Anzahl der Beratungsgespräche hat sich seit dem Beginn der Pandemie im März verdoppelt. Viele Klientinnen und Klienten berichten von steigendem Konsum oder Rückfällen. Die Gründe dafür liegen oft in der unsicheren Situation ihrer Arbeitsstelle oder zunehmender sozialer Isolierung infolge des Lockdowns“.

Beratungsbedarf ist gestiegen

Diana Ganguin aus der Suchtberatung für Frauen der Diakonie Hannover berichtet: „Der Beratungsbedarf ist derzeit so hoch wie selten. Viele Frauen sind durch die Alkoholsucht ohnehin sehr isoliert, dies hat sich durch die Corona-Pandemie noch verstärkt. Hinzu kommen Kurzarbeit, Arbeitsplatzverluste, wegbrechende Strukturen, fehlende Möglichkeiten in der Kinderbetreuung, Krisen in der Beziehung, Gewalt durch den Partner. Für viele rückt ihr Suchtmittel wieder sehr stark in den Fokus und es kommt vermehrt zu Rückfällen.“

Stefan Krüger von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention der Diakonie Hannover ergänzt: „Auffallend ist, wie unterschiedlich die Bedingungen während der Corona-Pandemie unsere Klientinnen und Klienten belasten. Einige können gut mit der frei werdenden Zeit und den wenigen sozialen Kontakten umgehen. Für den größeren Teil der Menschen, die uns aufsuchen, ist die Situation eine Katastrophe. Sie fallen zurück in selbstschädigendes Verhalten wie zum Beispiel den Konsum von Alkohol oder Drogen oder verlieren sich in einer Depression. Es brechen einfach zu viele vorher stützende Strukturen oder Menschen weg. Es ist nicht selten, dass die Beratungsstelle der einzige verlässliche Anlaufpunkt ist  In dieser Situation ist die Arbeit der Fachstellen für Sucht unerlässlich.“   

Stabile und verlässliche Finanzierung nötig

Demgegenüber steht oftmals eine prekäre Finanzierung der Beratungsstellen. „Die Corona-Pandemie hat die Situation trotz der Systemrelevanz der Suchthilfe und Sucht-Selbsthilfe zusätzlich verschärft. Daher brauchten wir jetzt dringend eine stabile und verlässliche Finanzierung, um auch künftig die erforderliche Hilfe für Menschen mit Suchtproblemen wohnortnah zu sichern“, fordert Christina Rummel, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS).

Dialog fördern

Der bundesweite Aktionstag zur Suchtberatung am 4. November unter dem Motto „Kommunal wertvoll!“ steht unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Daniela Ludwig. Ziel ist es, Suchtberatungsstellen und Politik in den Kommunen miteinander in einen Dialog zu bringen. Im Zuge des Aktionstages formuliert die DHS Forderungen an die Kommunen. Unter anderem wird gefordert, dass es eine überwiegend pauschale Finanzierung der Suchtberatungsstellen mit jährlichen Anpassungen an Tarifbindungen, Lohnsteigerungen und Inflationsraten geben müsse. Denn nur mit einer verlässlichen Finanzierung sei es weiterhin möglich, Verelendungen und Gewaltspiralen in Familien zu verhindern

 

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