Altersarmut wächst auch in unserer Stadt

22.01.2020

Im Rentenreport des DGB Niedersachsen, Jan. 2020, heißt es:

"Neue Umfragen zeigen, dass über drei Viertel der Menschen in Deutschland sich um ihre Altersversorgung
Sorgen machen. Das ist kein Zufall. Viele Beschäftigte müssen nach dem Erwerbsleben deutliche Abstriche hinnehmen. In den letzten zehn Jahren hat sich in Niedersachsen die Armutsquote der Rentnerinnen und Rentner deutlich erhöht: Sie ist von 12,7 Prozent im Jahr 2008 auf 16,3 Prozent im Jahr 2018 angestiegen. Keine andere Personengruppe hat eine derart dramatische Zunahme der Armut zu verzeichnen.
"

 

Die Auswirkungen der sich im vollen Gang befindlichen Entwicklung kommentiert Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes:

Altersarmut ist eine Krake, bestimmt viele Lebensbereiche.

Wer arm ist, ist häufig einsamer. Es ist immer noch ein viel zu leises Thema in unserer Stadtgesellschaft. Weil Betroffene sparen müssen und Geselligkeit häufig mit Geld ausgeben verbunden ist.

Armut im Alter ist häufig mit Scham besetzt, nicht wenige nutzen staatliche Leistungen wie Grundsicherung oder Wohngeld nicht oder nicht in dem Maße, wie sie es dürften. Die Generation, die den Krieg noch erlebt hat, will dem Staat nicht auf der Tasche liegen. Vielleicht kommen auch deshalb in unsere Ökumenische Essenausgabe inzwischen auch vermehrt ältere Menschen, die sich über die kostenlose Mahlzeit freuen. Auch unsere Kleiderkammern werden von älteren Menschen besucht.

Wer arm ist, hat Schwierigkeiten, seine Wohnung zu halten oder gar eine neue zu finden. Der Anteil der Miete am Einkommen steigt und wird zu einem immer größeren Posten. Das ist beim aktuellen Wohnungsmarkt fatal. Gut, dass das jetzt auf der politischen Agenda steht, aber das wird dauern, bis sich der Wohnungsmarkt entspannt.

Arm im Alter schlägt sich auch auf die Gesundheit nieder, wenn beim Strom, bei Heizung oder gesundem Essen gespart wird.  

Besonders trifft es alleinerziehende und auch pflegende Frauen, die in der Rente Beitragslücken haben. Mindestrente (mit Bedürftigkeitsprüfung) wäre gut.

Zumal das Rentenniveau seit zwei Jahrzehnten sinkt und bei 48,4 Prozent angekommen ist - in den 80 iger Jahren lag es noch über 56 %. Private Vorsorge konnte oder wurde aus dem Gehalt häufig nicht finanziert, Betriebsrenten bekommt nur jede oder jeder dritte, was sich dann im Alter bemerkbar macht.

Wichtig ist, auf dieses Thema aufmerksam zu machen, denn unsere Gesellschaft sieht ja auch viele Rentnerinnen und Renter, denen es gut geht. Die Kreuzfahrtschiffe sind voll. Das ist ja auch schön, wenn man seinen Lebensabend genießen kann. Wer genug hat, braucht, so finde ich, keine zusätzliche Unterstützung vom Staat oder der Rentenkasse.

Wer zu wenig hat, sollte Unterstützung erhalten. Unsere Beratungsstellen sind voll inzwischen auch mit älteren Menschen, die um Hilfe bitten.

Gut, dass sie zu uns kommen.

Wobei: Wohlfahrtsverbände und Staat werden nicht alles schaffen können, wir alle sind gefordert uns einzusetzen. Verantwortung für die Nachbarin, den Nachbarn übernehmen, wir brauchen eine caring community, eine sorgende Gemeinschaft.

Wir alle sind aufgefordert, uns dem Thema zu stellen: Wie wollen wir einmal alt werden?

 

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