Diakonisches Werk Hannover

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Jahres-Pressekonferenz 2007

 

Einführung durch den Leiter des Diakonischen Werkes

Die sozialen Probleme dieser Stadt wachsen dramatisch, während die personellen und finanziellen Ressourcen zur Bewältigung der Not drastisch sinken. Die Nachfrage nach Beratung, psychosozialer und finanzieller Unterstützung haben weiter zugenommen.

Insgesamt sind im Diakonischen Werk 340 MitarbeiterInnen beschäftigt, davon im Diakonischen Werk Stadtverband e.V. 270 MitarbeiterInnen und im Diakonischen Werk des Stadtkirchenverbandes 70 MitarbeiterInnen. Das Diakonische Werk des Stadtkirchenverbandes hat einen Jahresumsatz von ca. 3 Millionen, das Diakonische Werk des Stadtverbandes e.V. ca. 11 Millionen.

Ca. 18.000 Klienten haben unsere Abteilungen aufgesucht. Man kann von etwa ca. 150.000 Kontakten ausgehen pro Jahr. Ca. 800 ehrenamtliche MitarbeiterInnen werden von uns geschult, begleitet und beraten und arbeiten in den verschiedene Projekten und Arbeitsbereichen, davon allein in der Offenen Altenarbeit 527.

Schwerpunkte und Projekte:

Fast 3.000 der über 7-jährigen Kinder in Hannover sind von Vernachlässigung betroffen. Hier spielen die Angebote unserer Leine-Lotsen und Jugendhilfe wie Mittagstische, Traktormobil und auch der Gesundheitsladen der Sozialarbeit eine ganz wichtige Rolle für die Kinder, damit sie wieder Zuwendung und Perspektive erfahren.

Zusammen umfasst die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund 122.000 Menschen, 24 % der Gesamtbevölkerung. Deswegen liegt auch ein Schwerpunkt unserer Arbeit in der Abteilung Pro Migration mit dem Jugendmigrationsdienst, der Migrationserstberatung und dem Projekt HIPPY (Home Instraction for Parents of Preschool Youngsters). Hier ist das Besondere, dass Familienhelferinnen in die Familien gehen, um dort mit den Kindern und Eltern Deutsch zu lernen oder auch Alltagsdinge durchzusprechen und zur Beratung zur Verfügung zu stehen.
Ein neues Projekt, AnSchUB (Angebot zur schulischen Unterstützung und Begleitung) der Abteilung ProMigration – ist ein offenes und niederschwelliges Angebot zur schulischen Begleitung und Unterstützung für SchülerInnen mit und ohne Migrationshintergrund ab der 4. Jahrgangsstufe. Hilfestellung bei Hausaufgaben, Referate und auch Beratung zur Förderung der deutschen Sprache usw.
AufKurs – ein weiteres Projekt der Abteilung SINA gibt Jugendlichen Hilfestellung, die ihre Ausbildung vorzeitig beenden. Beratungsinhalte der Jugendlichen sind oft zwischenmenschliche Probleme zwischen Chef/Ausbilder und Kollegen und geringe Akzeptanz in diesem Bereich. Diakonie heißt auch Bilddungsmöglichkeiten zu schaffen und mehr Chancengerechtigkeit herzustellen.
Ein weiterer Schwerpunkt bildet auch unserer Gewaltpräventionsstelle, die wir nur mit Spendenmitteln und Stiftungsgeldern finanzieren. „Schritte gegen Tritte“ und „Starke Schule“ sind erfolgreiche Projekte gegen Gewalt, gerade auch unter Jugendlichen.
Ein anderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Offenen Altenarbeit. Angesichts der demographischen Entwicklung wird die Notwendigkeit eines differenzierten Angebotes hier besonders deutlich. Ein ¼ der hannoverschen Bevölkerung ist über 60 Jahre alt, ca. 129.000.  9,1 % der Bevölkerung sind über 75. Ein Zunahme von Isolation, Vereinsamung gerade unter den Hochaltrigen ist deutlich sichtbar. Gerade hier im Seniorenbereich zeigt sich ein großes ehrenamtliches Engagement vieler Menschen, besonders beim Großelterndienst und Besuchsdienst. Zuwendung, Betreuung und gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind die Zielvorstellungen dieses wichtigen Arbeitsbereiches.

Finanzierung – Kürzungen durch den Stadtkirchenverband
Genau in diese Situation hinein treffen die Kürzungen, die der Stadtkirchenverband mit seiner Projektgruppe Zukunft plant. Das geht an die Substanz diakonischer Arbeit. Wenn der Stadtkirchenverband sich aus den Bereich Kirchenkreissozialarbeit, Ev. Beratungszentrum, Suchtberatung und Offene Altenarbeit weitgehend zurückziehen will, dann ist ein wichtiger Teil evangelischer Arbeit nicht mehr existenzfähig.
Die hohe Akzeptanz der Diakonie zeigt sich auch in der ausgesprochen hohen Beteiligung von Spendern und Spenderinnen an der diakonischen Arbeit in der Stadt.

Einerseits  sind die Abteilungen des Stadtkirchenverbandes Diakonie hart betroffen von den Kürzungsmaßnahmen, andererseits haben wir gerade im Diakonischen Werk e.V. immer wieder mit neuen Projekten auf die soziale Situation in Hannover reagieren können und besonders durch die Spenden haben wir viele Bereiche ermöglicht, die wir sonst nicht hätten angehen können.

Ich glaube, deshalb können wir auch politisch Einfluss nehmen, weil wir glaubwürdig durch Projekte zeigen, dass wir in den Bereichen Armut und Einsamkeit etwas für die betroffenen Menschen tun. Wir werden trotz unserer vielen Projekte den Staat nicht aus seiner Verantwortung entlassen können. Und werden auch unsere Kirche immer wieder daran erinnern, dass die diakonische Arbeit für die Armen, Ausgegrenzten und Einsamen in unserer Gesellschaft oberste Priorität in unseren kirchlichen Handeln haben muss.

Walter Lampe, 05. Juli 2007

Kontakt

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